Lastenräder- ich bin raus, aber sie fahren alle damit

Manchmal frage ich mich, wann genau das passiert ist. Dieser Moment, in dem plötzlich…überall Lastenräder waren.

Darüber denke ich heute morgen mit meinem Kaffee in der Hand nach, liebe Kaffeeliebhaber:innen. Guten Morgen erst einmal! 🙂

Also, wo war ich stehen geblieben? Lastenräder… ich sehe täglich mehrere, nicht nur eins, zwei… bei mir hier auf dem Land, auch, wenn ich in der Stadt zu tun habe. Sie stehen vor Cafes, rollen durch die Straßen, parken selbstbewusst vor Kindergärten, Supermärkten…groß, präsent und irgendwie immer ein bißchen beeindruckend.

Ich selbst? Bin raus! Meine Kinder sind zur Hälfte erwachsen. Ihre langen Beine bekomme ich gerade so in unsere Mittelklassewagen verstaut.

Dennoch komme ich nicht umhin, dieses Phänomen zu beobachten. Es hat sich in der Tat etabliert. Da wird eingeladen, festgezurrt, angeschnallt, aufgehelmt, losgerollt- mit einer Ruhe und Selbstverständlichkeit, als wäre das schon immer so gewesen. Und ich frage ich mich leise: Habe ich etwas verpasst…oder einfach nur Glück gehabt?

Vielleicht ist es ein Trend. Vielleicht eine Lebenseinstellung. Oder einfach nur ein sehr großes Fahrrad.

Neu ist das alles nicht. Nur..plötzlich sieht man sie wieder überall.

Denn nach etwas Recherchieren fand ich tatsächlich Folgendes Interessantes heraus: Diese Kolosse gibt es schon seit Ende des 19.Jahrhunderts! Das Erscheinungsbild wurde meinem kritischen Geschmack angepasst. Etwas Luft nach oben wäre beim Design allerdings noch. Damals wurde das Rad von Bäckern, Postlern und Händlern genutzt. Autos waren noch selten. Zwischen 1920 und 1950 waren die Lastenräder vor allem in Städten weit verbreitet und in den fahrradverliebten Ländern wie Dänemark und Holland äußerst beliebt. Als der Autokauf erschwinglicher wurde und sich dies mehr Menschen leisten konnten, verschwanden die Lastenräder wieder aus dem Alltag. Seit den 2000er erfreuen sie sich steigender Beliebtheit. Also, ich resümiere, sie mögen wie ein Trend wirken, aber sie erleben eigentlich ein Comeback.

Zudem gestehe ich, ist mir das 2000 noch nicht aufgefallen. Da war es wohl auch eher noch im gewerblichen EInsatz tätig. Ein paar Zahlen aus dem Internet noch… 2020 wurden in Deutschland ca 76 000 Räder verkauft, 2024 waren es 220 000.

Hah, meine Sinne haben mich nicht getäuscht. Um die Jahrtausendwende waren die Lastenräder so selten, dass ich sie fast übersehen hätte. Heute muss ich aufpassen, nicht eines zu übersehen.

Was mich an diesen Rädern und ihrem Dasein so fasziniert, warum mich Gedankenspiele beim Morgenkaffee mit Lastenräder übermannen, ist tatsächlich diese Präsenz.

Warum schaftt Frau/ Mann sich so ein Gefährt für den Privatgebrauch an? Als erstes fällt mir dazu ein ausgeprägtes Verantwortungsfühl für die Umwelt ein. Da gehe ich konform. FInde ich ehrenhaft.

Mann/ Frau zahlt zwar den Preis einer gewissen Eitelkeit, sportlich sieht es wahrlich nicht aus. Nur praktisch und etwas unhandlich, finde ich.

Wenn ich daran denke, was alles in diese Kiste hinein gepackt werden kann… Einkäufe, Baumaterialien, Kinder, Ausflusgsutensilien…. geräumig ist es. Obwohl ich mich schon mitunter frage, wie der Fahrer das eigentlich durch die Kurve bringt…

Schön? Echt? Naja…Geschmackssache.

Gibt es noch Ausgaben ohne E-Motor? Ich lese gerade, ja, doch, 87% sind mit elektrischen Antrieb ausgestattet. Die verbleibenden 13% sind dann Hardcore-Fahrer oder Trendrebellen mit sportlichem Ehrgeiz? Oder sie haben Superkräfte oder einfach keine Lust auf Stomrechnung?

Ganz ehrlich, ich schwitze bei meinem Kaffee im Cafe, lastenräderbeobachtend mit diesen 13% Prozent mit und schwanke zwischen Bewunderung und Mitleid. Verrückt? Wahrscheinlich ein bißchen. Unglaublich kraftvoll? Auf jeden Fall.

Ich überlege, ob so ein Lastenrad sicherer ist? Naja…stabiler ist es, die Physik arbeitet also immerhin auf der Seite des Lenkers. Der Rest ist Können und im Straßenverkehr, wie für alle Verkehrsteilnehmer, etwas Glück.

Am Ende bleibt hier meine Erkenntnis … es ist eine Sache der Perspektive, man kann staunen, schmunzeln oder einfach weitergehen. Ich mache alle drei Dinge und schätze mich glücklich, nicht mittreten zu müssen und bin beruhigt, dass ich den Trend verpasst habe.

Herzlichst

Eure Bine

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