Guten Morgen, liebe Kaffeelieber:innen,
…heute Morgen spielen meine Gedanken mit der Zeit und die Frage, wie viel uns davon eigentlich gehört, bis sie uns wieder entgleitet..
Zeit ist eine grundlegende Größe der Physik, soviel weiß ich noch aus meiner Schulzeit. Man kann verschiedene Formeln zur Berechnung nutzen, die ich allesamt wieder vergessen habe. Für meinen Alltag, mein Leben brauche ich sie nicht. Auch wenn sie vielleicht trotzdem passieren. Wie komme ich darauf? Über den ersten Gedanken, die erste Frage dieses Morgens: „Wenn ich mir etwas wünschen könnte, was wäre das?“ Mein Herz und mein Bauch antworteten: „Zeit“. Für mich. Ausschließlich. Für mich.
Zeit für Dinge, die ich im Alltag nur stückchenweise unterzubringen vermag, mit denen ich gerne mehr Zeit am Stück verbringen würde. Weil ich so vielen Themen tiefer auf den Grund gehen möchte, so viele Fragen habe, deren vollkommene Antwort ich erst bekomme, nachdem ich mich intensiv damit beschäftigt habe. Dafür brauche ich Zeit. Jetzt könnte ich mir sagen, wenn es mir wirklich wichtig ist, dann nehme ich mir die Zeit dafür. Doch meine freie Zeit ist begrenzt, so wie vermutlich bei jedem Menschen auf dieser Welt. Selbst wenn ich sie mir nehme, bleibt mir selten soviel Zeit, wie ich dafür bräuchte. Meist kommt der Alltag dazwischen. Arbeit, Anrufe, Haushalt, Termine, Verpflichtungen…
Oft hört man Menschen fortgeschrittenen Alters sagen, „die Zeit rast so / vergeht so schnell“. Mittlerweile gehören ich und meine Freunde auch zu diesen Menschen. Bis vor einiger Zeit konnte ich mich diesem Gefühl und den Gedanken dazu sehr gut entziehen, doch ich merke, das es mir immer weniger gelingt.
Warum? Ich konnte dazu ein paar, mir schlüssige, Fakten, ermitteln…nachlesen. Was ich nicht wusste, dass es tatsächlich ein gut untersuchtes psychologisches Phänomen ist. Drei Gründe sind dafür offensichtlich:
Der Proportioneffekt: Die Zeit wird relativ zur bereits gelebten Lebensspanne wahrgenommen. Das heißt, für einen 5-Jährigen ist ein Jahr 20% seines Lebens, für einen 50-Jährigen – also mich auch – nur 2%. Etwas frustrierend in der Tat.
Mangel an neuen Reizen: ROUTINE- das Gehirn speichert Neues, Ungewöhnliches detailiiert ab- es muss Unmengen an Informationen verarbeiten, was die Zeit im Rückblick zu dehnen scheint. Im Erwachsenenalter dominieren Routinen (Arbeit, Haushalt…), die das Gehirn kaum noch einzeln abspeichert; Zeitspannen verkleinern sich in der Erinnerung. Das kann ich wahrlich gut nachvollziehen!
Biologische Verlangsamung: Es gibt Theorien, dass die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung im Gehirn sich im Alter verringert. Das Gehirn verarbeitet weniger Bilder als in der Jugend, deshalb scheint die Zeit schneller vorbeizuziehen. Echt greis-ig!
…
Ich wünsche mir Zeit. Ich brauche mehr Zeit. Mehr Zeit und Raum für Intensität, Nachfragen für das vollkommene Verstehen. Das ist meinem Hang zur Perfektion Genauigkeit geschuldet. Ich brauche ganze Antworten und keine offen gebliebenen Fragen. Um zu verstehen, ganz und gar.
Daher frage ich mich, was würde ich machen, wenn ich davon frei wäre und unbegrenzte Zeit hätte? Das kommt für mich irgendwie etwas der Frage gleich, was man oder ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde?
Ich würde sehr viele Bücher mitnehmen. Ich würde mich die Geschichte einlesen. Für mehr Wissen für das was war, um das heute besser zu verstehen.
Ich würde wichtige literarische Werke lesen, die ich vielleicht schon mal gelesen habe vor 30 Jahren, aber die Bedeutung nicht verstanden habe. Ich würde neue wichtige Werke lesen und hätte die Ruhe und die Zeit, sie zu verstehen.
Ich würde Biographien von Menschen lesen, die die Menschheit geprägt und vorwärts gebracht haben, die mutig waren und durch ihr Sein wesentlich und nachhaltig etwas in der Gesellschaft verändert haben.
Ich würde über Künstler lesen, deren Werke ich vielleicht schon in Ausstellungen bewundert habe, doch sie nicht verstanden habe. Ich würde mich dafür interessieren, welcher Epoche, welchem Stil sie zugeordnet sind.
Ich würde auch meine Mal-und Zeichensachen mitnehmen und mich trauen, künstlerisch zu scheitern. Oder auch zu gewinnen. Ich würde Freude daran haben.
Ich würde meine Schreibsachen mitnehmen und alles, was ich wahrnehme und fühle notieren und ausschmücken.
Ich würde die Ruhe dazwischen genießen und mich auch. Ohne Druck. Ohne Erwartungen anderer, etwas anderes zu tun müssen – ohne Erwartungen an mich, etwas anderes als wichtiger zu sehen.
Einfach Sein.
Liebste Grüße
Bine

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