Guten Morgen, liebe Kaffeeliebhaber:innen,
da stehe ich heute Morgen mit meiner Kaffeetasse, die ein verblichenes Bild einer nostalgisch anmutenden Kaffeewerbung als Aufdruck trägt, betrachte es liebevoll und sinniere beim Anblick darüber, wann das eigentlich bei mir begonnen hat, …das mit der Retroliebe.
Was mittlerweile ein unübersehbarer Trend ist, spüre ich schon lange. Wie lange? Phew, das weiß ich nicht genau, trug ich doch schon mit fünfzehn die Schlaghosen meines Vaters. Diesem Style bin ich bis heute treu geblieben. Ich besitze noch andere Hosen, die meisten weisen allerdings mindestens einen Boot cut auf. Bis heute bin ich ein dankbarer Abnehmer gebrauchter Kleidungsstücke, die mich mit charismatischer, einzigartiger Nostalgienote in den Bann ziehen.
In den Zeiten von Fast Fashion und Massenware von der Stange suche ich gerne nach originellen Einzelstücken, die Individualität und Persönlichkeit unterstreichen. Das Merkmal der Einzigartigkeit , das jeder Mensch in sich trägt, mag ich mitunter nach außen tragen. Schlimm ist doch, auf einer Veranstaltung das gleiche zu tragen, wie ein oder, mit großem Pech, mehrere Personen. Natürlich hängt das davon ab, wie wichtig, es einem ist. Es gibt auch Menschen, denen es vollkommen egal ist, was andere oder auch sie tragen. Sie definieren sich lieber über andere Dinge, Werte. Das tue ich auch, doch auch das ist ein Teil von mir. Ich kaufe übrigens gewisse Basics und Non- Basics auch ab und an von der Stange, trage sie kombiniert gerne mit Einzelstücken aus vergangenen Tagen, die bei Mitmenschen durchaus ein ungläubiges, einseitiges Augenbrauenhochzucken auslösen können. Manchmal laufe ich aber auch durchaus normal herum. 🙂
Nicht nur modisch falle ich in die Katergorie RETRO. Ich hörte mit fünfzehn die Beatles, Stones, Uriah Heep, Supertramp, Led Zeppelin sogar Bing Crosby, Frank Sinatra und natürlich Elvis. Sogar in der deutschen Schlagewelt bin ich mehr als textsicher. Nein, das ist mir nicht peinlich. Ich höre aber ebenso die aktuellen Charts! 🙂 … und liebe Taylor Swift und Kaffkiez.
Damals, nach dem Tod meiner lieben Oma gab ich dankbar einigen ihrer Möbel ein neues Zuhause. Sie stehen jetzt hauptsächlich in meinem Zimmer, sind aber auch, wohlwollend akzeptiert von meiner Familie, im Haus verteilt worden. Ich mag diesen Charme von Dingen, die eine eigene Geschichte, Persönlichkeit und Charisma in sich zu tragen scheinen, obwohl sie nicht menschlicher Natur sind. Vielleicht, weil sie Momente eingefangen haben, die keiner mehr erzählen kann, sie es aber trotzdem wissen könnten. Ganz besonders ist es, wenn ich einen so persönlichen Bezug dazu habe.
Ich mag die wilden bunten Tapeten der 70er, bei denen die Generationen Z und Alpha eventuell erblinden würde. Neulich habe ich ein Cafe entdeckt, das sich unter anderem damit eingerichtet hat, inklusive entsprechendem, in meinen Augen entzückenden Mobliar. Die Speisekarte zeugt von großartiger retroliebenden Vielfalt. Frühstücksvariationen heißen beispielsweise „Oma Antje“ und „Opa Karl“. Die Musik ist im Übrigen dem Flair wunderbar angespasst. Herrlich, was für ein Wohlfühlort!
Ich mag Prilblumen, mochte die Marlboro-Werbung, was hauptsächlich dem wilden Pferd und der visuellen Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit geschuldet ist. Der Melittamann, der Nico Santos Vater ist, strahlte immer so eine vertrauenvolle Gemütlichkeit aus.
Wer sind aber die Menschen, die einen Hang dazu haben, sich mit solchen Dingen zu umgeben? Also, warum, umgebe ich mich mit diesen Dingen?
Vielleicht stellen sie für mich einen Kontrast zur digitalen, reizstarken Welt dar, in der alles schnelllebig, hektisch und überladen scheint. Nicht, das früher immer nur alles gut und schön war, doch erinnere ich mich sehr gut an die „guten, alten Zeiten“ in meiner Kindheit und Jugend, sehe mich als Kind in dem alten Sessel meiner Oma sitzen, der jetzt bei mir im Wohnzimmer steht. Oder ich sehe meinen jungen Papa, der meine Schlaghose trägt. Meine Motive? Eventuell gründet es auf dem Wunsch nach emotionaler Sicherheit. Die Dinge- also der Sessel, in dem ich sitze, die Hose meines Vaters, die ich trage, ein Lied, welches ich aus einem Film kenne, den ich mit meiner Mutter ansah- verbinden mich mit dem Gefühl von früher, in einem Rahmen, in dem ich mich sicher und geborgen gefühlt habe. Die Gedanken daran entschleunigen mich irgendwie und erden mich. Sie erinnern mich daran, woher ich komme, wer ich bin und welcher Weg dazwischen liegt. Daran denke ich gerne.
Mittlerweile lässt sich im Internet alles erstehen, Kopien alter Originale sind erhältlich, in allen Bereichen. Doch das ist nicht das gleiche. Es fehlt der ursprüngliche Zauber, der verstaubte Glanz. Das Stöbern im Secondhand- online in Läden, die immer mehr aus dem Boden schießen- wird zur Schatzsuche. Auf der Suche nach etwas Besonderem, einzigartigem. Vielleicht, weil man das sein will und es zeigen will. Eventuell ist der Trend deshalb so in Fahrt.
Auf mich strahlen diese Retrosachen Beständigkeit aus- Mode, Kleidung, Möbel…“sie sind immer noch gut“- wie ich und ihr- früher und heute. Pfennigguad, würde mein Mann sagen.
Um noch einmal auf die Mode zu kommen, die Hose meines Vaters weist trotz regelmäßigen Waschens keinerlei Verschleißerscheinungen auf. Eine gute, echte, alte Wrangler halt. Ich werde jetzt nicht weiter ausführen, was das für meinen persönlichen, ökologischen Fußabdruck bedeutet! Und diese Hose ist kein Einzelstück, was die Lebensdauer des Inhalts meines Kleiderschranks betrifft. Ich hebe viel zuviel auf! Kann mich nicht trennen. Der Fußabdruck zeigt sich selbstverständlich ähnlich bei Möbeln, Geschirr…bei der Musik wird es kniffliger. Doch ich habe auch noch LP´s … aber keinen Plattenspieler mehr. Möglich, dass ich auf dem nächsten Flohmarkt mal danach Ausschau halten werde. Ich bin nicht zu retten und möchte es auch nicht. 🙂
Euch einen wundervollen Tag, macht es euch schön,
liebste Grüße
Bine

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